die jungenschaft wird 75 jahre!

deutsche autonome jungenschaft 1.11

jungenschaft

weil sich viele unter diesem begriff nichts vorstellen können, soll hier versucht werden, dieses wort ein wenig zu erklären: unser verein steht jungen und mädchen gleichermaßen offen.

die jungenschaft ist teil der geschichte der jugendbewegung, wie sie in der bündischen jugend stattfand. diese gruppen haben alle das "bündische leben" gemein.

die geschichte der jungenschaft ist hier kurz zusammengefaßt:

nach dem ersten weltkrieg entstand das wort "jungenschaft" zunächst nur als bezeichnung für die jüngste der drei altersstufen jungenschaft, jungmannschaft und mannschaft. erst als sich die bündische jugend immer mehr in kleine gruppen aufteilte, wurde das wort "jungenschaft" identisch mit der idee eines großen überregionalen bundes (ein "alles verbindender hochbund"). diese idee griff eberhard köbel -tusk- auf, als er die dj. 1.11 (deutsche jungenschaft vom 1.11. 1929) gründete. weil dj. 1.11 nicht nur ein hobby oder eine einfache jugendgruppe, sondern viel mehr eine allgemeine bündische lebensform sein wollte, schuf sie ganz andere formen und inhalte, als man sie von bündischen gruppen her kannte. jugenschafter fühlten sich mehr als avantgarde. sie ließen sich nicht auf alte traditionen und formen festlegen, sondern versuchten stets, eigenes zu schaffen. hohes maß an kreativität und gesunde kritik waren diesen gruppen eigen.

doch mit dem verbot aller jugendgruppen unter dem ns-regime ging auch dj. 1.11 verloren. in der verfolgungszeit des dritten reiches gab es dennoch gruppen, die versuchten weiter in ihren formen und inhalten zu leben, doch waren sie den verfolgungen durch die reichsjugendführung und gestapo ausgesetzt. aus ihnen gingen widerstandskämpfer wie helle hirsch, hans scholl (der bruder von sophie scholl) und willy graf hervor.

in der nachkriegszeit versuchten viele gruppen, den stil von dj 1.11 nachzuahmen, doch ohne die inhalte im gleichen maße zu übernehmen. jungenschaften der 5oer jahre waren meist kleine, elitäre gemeinschaften, die einfach "mehr" wollten.

wie kann man sich die jungenschaft (dj.1.11) ende der 20er - anfang der 30er jahre vorstellen? inge scholl beschreibt sie in ihrem buch über ihre geschwister hans und sophie, "die weiße rose", wie folgt:

"...aber daneben gab es noch etwas anderes für hans und meinen jüngsten bruder werner, was in den jahren zwischen 14 und 18 ihr leben bestimmte und mit unbeschreiblichen elan erfüllte: die "jungenschaft", eine kleine gruppe von freunden. es gab sie in verschiedenen städten in deutschland, vor allem dort, wo sich noch kulturelles leben regte. (...) die mitglieder der jungenschaft erkannten sich an der art, wie sie sich kleideten, sie erkannten sich an ihren liedern, ja an ihrer sprache. (...) die gruppe ging übers wochenende auf fahrt und pflegte auch bei grimmiger kälte in einer kohte zu wohnen, einem zelt nach dem muster der lappen im hohen norden. wenn sie ums feuer saßen, lasen sie einander vor, oder sie sangen und begleiteten ihren chor mit der gitarre, dem banjo und der balalaika. sie sammelten lieder aller völker und dichteten und komponierten ihre eigenen feierlichen gesänge und ihre lustigen schlager dazu. sie malten und photographierten, sie schrieben und dichteten und daraus entstanden die herrlichen fahrtenbücher und zeitschriften, die ihnen niemand nachahmen konnte. sie stiegen im winter auf (...) almen und machten (...) skiabfahrten; sie liebten es in der morgenfrühe florett zu fechten; sie trugen bücher mit sich herum, die ihnen wichtig waren. (...) sie waren ernst und verschwiegen, sie hatten ihren eigenen humor und ganze eimer voll witz und skepsis und spott. sie konnten wild und ausgelassen durch die wälder jagen, sie warfen sich am frühen morgen in eiskalte flüsse; sie konnten stundenlang still auf dem bauch liegen, um wild und vögel zu beobachten. sie saßen genauso still und mit angehaltenem atem im konzert, um die musik zu entdecken. man sah sie im kino, wenn einmal ein schöner film auftauchte oder im theater, wenn ein stück die gemüter bewegte, sie gingen auf zehenspitzen in den museen umher; sie waren mit dem münster und den verborgenen schönheiten vertraut. (...) aber mit all dem ist eigentlich gar nichts präzise gesagt. vielleicht soll man auch nicht viel sagen, weil sie selbst so verschwiegen waren und still hineinwuchsen in das erwachsensein, in das leben.

(aus: inge scholl, die weiße rose, fischer taschenbuch verlag, frankfurt / main 1955)

jungenschaft bedeutet heutzutage nicht mehr den versuch eines "alles verbindenden hochbundes". sie ist viel mehr ein begriff für eine lebensform (s.o.). sie ist persönliche grundeinstellung. man ist nicht mitglied in einer jungenschaft, sondern man ist jungenschaft.

für uns kreuzfahrer des 21ten jahrhunderts bedeutet jungenschaft aber noch mehr und somit auch etwas anderes als das: wir wollen jungenschaft des 21. jahrhunderts sein, die sich klar zu jesus christus bekennt und diesen geist auch nach außen hin tragen will. bei aller wichtigkeit der jungenschaftischen formen, wollen wir kreuzfahrer doch nie die aufgabe, der verkündigung gottes wort unter jungen menschen vergessen. denn die jungenschaftische lebensforn hört eine tages auf, auch wenn sie das ganze leben prägt. jesus christus aber gehört zu unserem leben, zu unserem tod und darüber hinaus

wer wissen will, wie das genau aussieht, sollte uns mal besuchen, wir stehen jedem / jeder offen....

wir sind jungenschaft

jungenschaft bedeutet für uns lebensform. selbsterringend zu sein ist für uns ein erklärtes pädagogisches ziel. wir fühlen uns zwar der nachkriegs-jungenschaft verbunden, halten aber (ganz selbsterringend) nicht an allen traditionen fest. im gegensatz zur ursprünglichen jungenschaft gehören mädchen-horten für uns selbstverständlich dazu.

wir tragen die kluft der jungenschaft

juja und kordel. wir tragen das eichenkreuz (des cvjm-westbunds) als abzeichen auf der takelbluse. die kluft ist das zeichen unserer gemeinschaft, unserer gleichheit. unsere arbeit ist verbindlich. treue zur horte ist selbstverständlich.


zitate

"wir wollen alles besser lernen und besser können: besser singen, besser schweigen, besser schlemmen, besser fasten, grimmig arbeiten und hemmungslos faulenzen."

der gespannte bogen ist eines der sinnbilder, die wir immer zur hand haben sollten. er ist verhaltenheit, ungestillte sehnsucht, dauernder wunsch. das holz möchtem solange es ein bogen ist, gerade sein, und kann nie. daraus kommt die kraft, immer wieder pfeile absenden zu können.




eberhardt koebel (tusk)

zug der schwäne - von eberhard köbel (tusk)

über meiner heimat frühling
seh ich schwäne nordwärts fliegen.
ach mein herz möcht sich auf grauen
eismeerwogen wiegen.

schwan im singsang deiner lieder,
alle rosen gäb ich gerne
gegen nordlands steine.

grüß schweden, weißer vogel
setz an meiner statt die füße
auf den kalten fels der ostsee
sag ihr meine grüße.

grüß das eismeer, grüß das nordkapp.
sing den schären zu, den fjorden:
wie ein schwan sei meine seele
auf dem weg nach norden.

worte: eberhard köbel (tusk)