auf dem winterlager bekam ich ein weihnachtsgeschenk nachgereicht: alle teilnehmer erhielten einen eisbrecher-kalender.
und in der tat: ich benutze ihn und habe schon einige der texte darin gelesen. einer von ihnen ließ das hier entstehen:
im juli findet man dort unter "lebenswelten" statements von
benedikt und lena (17 jahre), die ihre einschätzung zu bündischen leben abgeben.
das formulieren sie in etwa so: bündisches leben und das "normale" leben sind zwei unterschiedliche dinge. es gibt das "normale" leben auf der einen seite, daß sich in schule, partys, ausgehen etc. äußert und das bündische leben. da die beiden lebenswelten mit der zeit irgendwann aufeinander treffen und sich gegenseitig ausschließen, müssen diese welten strikt voneinander getrennt werden.
das halte ich für typische. irgendwann ist das pimpfenleben für jeden vorbei und man wird älter. dann werden die beiden leben voneinander getrennt. das ist genauso typisch wie falsch.
typisch ist diese trennung, weil bündisches leben und
"normales" leben, wie man es z.b. in der schule erfährt, zunächst einmal
völlig unterschiedlich erscheinen. man fühlt sich sodann vor die frage gestellt, welches
leben man leben will: das des bündischen, des "pfadfinders" oder das des
"normalen". viele entscheiden sich für das "normale" leben und treten
aus ihrem bund aus. wer das nicht möchte, formuliert es dann so wie benedikt und lena,
man trennt die beiden leben voneinander. die schulfreunde wissen fast gar nichts von dem
bündischen da-sein, die bündischen freunde wissen ebenso nichts von der party-löwin,
der pop-sängerin, dem kino-gänger, dem computer-freak!
diese trennung mutet nicht nur irrational an, sie ist es auch! doch wo
kommt dieses problem her?
das problem entsteht tatsächlich im "normalen" leben. man erzählt seinen
freunden nicht gerne von seinem "pfadfinder-leben". meistens wird man
belächelt, wenn man davon erzählt ("wie, du bist immer noch bei den
pfadfindern?"). aber die schuld liegt nicht bei den freunden des "normalen"
lebens. die wissen nämlich nichts, von den fahrten, lagern, singerunde etc. -wie könnten
sie auch! für sie sind pfadfinder das, was sie aus donald-duck-geschichten kennen. die
schuld liegt bei jedem selber, der seinen freunden nämlich diese fahrten und erfahrungen
verschweigt und sie in ihrem irrglauben läßt. das ist natürlich der einfachste weg,
etwaigen peinlichkeiten aus dem weg zu gehen. deswegen, und nur deswegen, kommen diese
trennungen von "normalen" und "bündischen" leben zu stande.
erzählt man nun seinen freunden von dem "bündischen leben",
erklärt man den irrtum (natürlich nicht, ohne sich zunächst zu blamieren), dann
entsteht oft großes interesse der "normalen" an dem "bündischen".
großfahrten beispielsweise beeindrucken immer schwer! und schon scheint diese trennung
nicht mehr so nötig.
>auch inhaltliche trennung sind unsinn. wer hat eigentlich behauptet,
ein bündischer darf auf keiner party teilnehmen? wer sagt denn, techno-tänzer können
nicht auf fahrt gehen? das ist noch nie behauptet worden, und schließt sich überhaupt
nicht aus! mehr noch: man kann auch in kluft ins kino gehen...
auf fahrt will man vielleicht auf walkman und game-boy verzichten, weil
man dann das naturerlebniss verpaßt; aber verteufelt hat solche dinge noch niemand. ich
habe auch game-boy gespielt und bin in besitz eines walkmans und fühle mich trotzdem
bündisch!
und hier kommen wir zur haupteigenschaft von jungenschaft: wenn man
nämlich "normales" leben und bündisches leben eben nicht voneinander trennt,
kommt dabei jungenschaft heraus!!! jungenschaft ist diese lebensart bei der man keine
trennung vornimmt. sie läßt sich also gar nicht von dem normalen leben trennen. man ist
jugenschafter auf fahrt und lager, ebenso auf partys, in der disco, im kino!
das ist, denke ich, der wesentliches unterschied zwischen jungenschaft
und anderen bünden: sie stellt einen nicht vor die wahl: normales leben oder bündisches
leben. großfahrt oder party! sie macht eben nicht, wenn man denn beides will, eine solche
haarsträubende trennung nötig, sondern sie will beides zusammenfügen!
von daher kann ich benedikt und lena nur einladen, diese trennung
schnell wieder zu vergessen. und dann werden sie nämlich feststellen, das sich daraus
eine sehr interessante erfahrung gibt. seine freunde oder sein "normales" leben
verliert man dabei mitnichten, sondern man hat einfach mehr spaß an beidem: dem
"bündischen" und dem "normalen"!
jost